Heimreise
Das Hafenfest in Kamp war super. Es war überhaupt eine gute Idee, es doch noch in den Urlaub einzubeziehen. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal bei einem Open Air Festival war. Evwigkeiten muss das her sein.
Ich war mir nicht sicher, ob es noch Karten geben würde, doch an der Abendkasse war noch einiges möglich. Nur Zeltplätze gab es keine mehr, was ich nicht anders erwartet hatte.
Einen günstigen Parkplatz fanden wir immerhin, und ich schlug Katl vor, in der Nacht nur noch so weit zu fahren, bis wir eine Autobahnraststätte erreichen würden. Ihr war alles recht, sie kann ja nicht fahren, so dass ihr nicht anders übrig bleibt, als sich nach mir zu richten. *kicher*
So hielten wir es dann auch und ich rollte mich auf der Rückbank zusammen, während Katl sich auf ihrem Sitz ausstreckte. Angeblich war ihr das bequem so.
Vielleicht hätte ich auch auf meinem Sitz bleiben sollen, denn kaum dass Aurora den Horizont rot färbte, wachte ich von Rückenschmerzen geplagt auf und hatte Mühe, meinen gar nicht mal so langen Körper [154 cm] zu entfalten. Ich vollführte neben dem Auto ein paar Lockerungsübungen, und es war mir völlig egal, wer mich dabei vielleicht beobachtete und sich scheckig lachte. Dann tapste ich in die Raststätte, um mich frisch zu machen.
Als ich zurück kam, schlief Katl immer noch. Ich aber startete und fuhr hinaus in den jungen Morgen und nach Süden, der Heimat entgegen.
Wie poetisch das klingt, dabei wäre ich am liebsten wieder umgekehrt.
Später wurde dann auch Katl munter, und wir beschlossen, dass es Zeit zum Frühstücken sei. "Stilgerecht" an einem bekannten Fast-Food-Restaurant. Immerhin schmeckt dort der Kaffee, was man leider nicht von allen Raststätten sagen kann.
Gegen Mittag trudelten wir daheim ein. Rechtzeitig, um noch ein wenig zu ruhen und sich dann im café esprit die deutsche Mannschaft im Achtelfinale anzuschauen.
Katl, die sich nicht für Fußball interessiert, wollte lieber im Garten nach dem Rechten schauen. Ich mochte das "Elend" nach einer Woche Urlaub lieber gar nicht sehen. Gewiss waren alle Gemüsepflanzen wegen Wassermangels eingegangen, während sich das Unkraut trotzig ausbreitete und womöglich sogar schon durch den Zaun hindurch wucherte.
So trennten sich nach einer Woche Urlaub unsere Wege. Katl ging in den Garten und ich ins esprit.

Für Sonntag, unseren letzten Urlaubstag in Gardenia, hatten wir nichts verabredet. Zwar hatte ich Katl gefragt, ob sie draußen frühstücken mochte, aber am Samstag Abend wusste sie das noch nicht so genau. Mir war das recht, vielleicht würde ich am Sonntag auch erst einmal ausschlafen.
Daraus wurde jedoch nichts, weil ich am frühen Morgen [gegen 6 Uhr] aus unerfindlichen Gründen mit Rückenschmerzen erwachte.
Ich bin gewiss nicht der Typ, der regelmäßig Frühsport treibt, aber an diesem Tag vollführte ich gymnastische Übungen, um meinen Körper zu entzerren und war heilfroh, dass mich dabei niemand sah. *kicher*
Dann packte ich zwei Taschen, eine mit Strickzeug und eine mit Lebensmitteln und machte mich auf den Weg in den Garten. Katl war nicht dort.
Da ich nicht gefrühstückt hatte [in der Hoffnung, das doch mit Katl gemeinsam tun zu können], wollte ich nun zeitig Mittag essen. Also baute ich meine "Küche im Grünen" auf, stellte alles bereit…

Szczecin

…und machte mich dann erst einmal über das Land her. Natürlich waren die Gemüsepflanzen nicht eingegangen, denn Katl hatte ihnen jeden Abend einige wenige Tröpfchen Wasser gegönnt. Nicht genug, um sie üppig sprießen zu lassen, aber immerhin leben sie noch und die in ihrer Anfangszeit heftig von Schnecken heimgesuchten Tomatenpflänzchen blühen sogar.
Selbst das Unkraut hält sich in Grenzen. Dennoch bestand dringender Handlungsbedarf, denn auf dem Kräuterbeet wuchert nicht nur alles heftig ineinander [was mir gut gefällt], sondern wächst auch durch den Zaun. Und das darf nicht sein! Jedenfalls nicht in unserem Gartenverein. Da wäre es chic, den halben Garten zu betonieren und die Blumen auf die Mauern zu malen, oder Plastikblumen aufzuhängen, wie es einer unserer Nachbarn tut. Aber wenn Akelei, Erdbeeren, Wicken, Oregano und Johanniskraut durch den Zaun lugen, gilt das als unordentlich und muss verschwinden. Und wenn dann auch noch Topinambur auf dem Kräuterbeet wachsen, ist das ganz schrecklich, denn dieser "Tabak" hat in einem Garten nichts zu suchen. Da nutzt es uns gar nichts, dass vor ein paar Jahren die Topinambur im Schaukasten des Vereins als DAS NEUE GEMÜSE gepriesen wurden, denn ganz offensichtlich weiß nicht einmal der gärtnerische Fachberater des Vereins, wie diese Pflanzen über der Erde aussehen.
Also war auf dem Kräuterbeet und am Zaun davor Aufräumen angesagt, was ich dann auch in Angriff nahm. Hat man einmal angefangen, findet man immer noch mehr, was man erledigen könnte. Doch irgendwann in der Mittagshitze brach ich die Arbeit dann ab, denn ich wollte unbedingt noch zwirnen, bevor ich am Nachmittag ins café esprit gehen wollte, um die deutsche Mannschaft im Achtelfinale zu erleben.
Der Hunger war mir infolge der Wärme vergangen. Also räumte ich Zutaten samt Küche wieder weg und setzte mich im Schatten des Apfelbaumes ans Spinnrad.
Am frühen Nachmittag tauchte Katl auf. Die Glückliche hatte bis elf geschlafen, wie sich das für einen Sonntag gehört. Ich kann das nie. Dafür war ich, nachdem wir nun doch so eine Art Brunch eingenommen hatten, so müde, dass ich ein kleines "Nickerchen" unter dem Apfelbaum hielt. 20 Minuten reichen mir vollkommen, um wieder fit zu werden.
Katl, die sich auch ausgeruht hatte, blieb noch im Garten, während ich mich auf den Weg machte ins esprit, wo ich zwei spannende Fußballspiele erleben konnte und von Jürgen noch ein ganz leckeres Abendessen serviert bekam. Schnitzel mit Bratkartoffeln klingt lapidar, aber was man unter diesem Namen im esprit bekommt, ist einfach nur lecker… uuuuund eine riesige Portion obendrein.

Sonntag, 27. Juni 2010 | 23:59 Uhr | Tags: , ,

Am Samstag Morgen fühlte ich mich seltsam. So, als sei alle Energie aus mir entwichen, wie die Luft aus einem undichten Ballon. Ich hatte keine Lust, mit Katl zu frühstücken, keine Lust, mit ihr den Strand entlang zu wandern. Dabei war sie so lieb, betüttelte mich von vorn bis hinten. Sie dachte, ich sei übermüdet, weil ich in dem weichen Bett nicht gut schlief. Ich ließ sie in dem Glauben, denn ich hätte ihr ohnehin nicht sagen können, was eigentlich mit mir los war. Ich wusste es ja selbst nicht.
Am liebsten hätte ich meine Koffer gepackt und wäre heim gefahren. Dabei blieb uns noch ein ganzer Tag am Meer, denn die Heimreise wollten wir erst am Sonntag antreten.
Um dem Tag noch einen Sinn zu geben, schlug ich vor, nach Szczecin zu fahren. Katl stimmte zu, erfreut darüber, dass ich aus meiner Lethargie erwachte.

Szczecin

Szczecin

Szczecin

Weil wir mit der Fahrt nach Szczecin bereits einige Kilometer auf "Heimatkurs" hinter uns bringen würden, überredete ich Katl dazu, tatsächlich schon heute unsere Koffer zu packen und von Szczecin aus nicht wieder nach Kolberg zurück zu kehren, sondern an der Küste entlang bis nach Kamp zu fahren und dort das Hafenfest zu besuchen, wo Hans-Eckardt Wenzel spielt.

Entgegen meiner Ankündigung, am Samstag erst einmal auszuschlafen, war ich schon früh auf, tüftelte an einem Sockenmuster, das einfach nicht aufgehen wollte und frühstückte dann mit Chris, der an diesem Wochenende arbeiten muss. Obwohl die Sonne lockte, konnte ich mich nicht aufraffen, in den Garten zu gehen, sondern trödelte in der Wohnung herum. Die Tatsache, dass Christophs Arbeitskleidung gewaschen werden musste, nahm ich als willkommenen Anlass, daheim bleiben zu müssen.
Zwischendurch dachte ich immer mal daran, dass Katl nun wohl allein im Garten saß, konnte mich aber nicht mal zu einem Anruf durchringen, zumal ich keine Ahnung hatte, wie ich ihr meine seltsame Stimmung erklären sollte, von der ich noch nicht einmal wusste, woher sie rührte.
Gegen Mittag rief dann Katl an und meinte, sie wisse gar nicht, was mit ihr los sei. Sie sei wohl heute mit dem verkehrten Bein aufgestanden und bisher noch nicht in die Gänge gekommen, wolle nun aber trotzdem mal in den Garten, damit überhaupt noch etwas aus dem Tag wird.
Schon seltsam, dass uns beiden unabhängig voneinander gleichzeichtig so komisch zumute ist.

Es wurde 19 Uhr, bis ich mich endlich aufraffte, doch noch loszugehen. Der Hauptgrund war, dass ich unbedingt ins Freie wollte. Das hätte nicht unbedingt der Garten sein müssen, mir fiel aber auch nichts anderes ein. Zuerst einmal hielt ich noch im Supermarkt an. Samstags kurz vor Ladenschluss einzukaufen, scheint mein neues Hobby zu werden.
Im Garten schaffte es dann endlich, die zweten 50 Gramm der Bluefaces-Leicester-Fasern zu spinnen und sogar noch mit dem Zwirnen zu beginnen. So dünn das Garn ist, es bleibt weich.

Sonntag, 27. Juni 2010 | 08:40 Uhr | Tags: , ,

Der Donnerstag sollte so etwas wie ein Ruhetag werden. Die Sonne strahlte, aber zum Baden war es noch immer nicht warm genug. So brachen wir nach dem Frühstück auf, um die Natur in der näheren Umgebung des Ortes zu genießen.
Der Kiefernwald sah im Sonnenlicht richtig verzaubert aus. Ich hätte mich kein Bisschen gewundert, wenn zwischen den Bäumen plötzlich eine Fee aufgetaucht wäre. Ich sollte mal wieder ein Märchen schreiben.

Zauberwald
 
Zauberwald
Zauberwald

Am Abend boten dann Sonne, Wolken und Meer ein phantastisches Schauspiel. Wie man auf dem ersten der folgenden Fotos sehen kann, hat das Meer den Strand verschluckt. An den ersten Tagen waren es vom Strandcafé bis zur Wasserlinie mindesten 10 Meter. An diesem Abend aber gab es nur noch einen schmalen, von Sandsäcken gesicherten Streifen. Im Laufe des Abends wurde selbst der Sandsackwall immer wieder überspühlt, obwohl er unermüdlich erhöht und verstärkt wurde.

Sunset

Sunset
 
Sunset

Am Donnerstag sollte der Gardenia-Urlaub fortgesetzt werden, jedoch mit einer zusätzlichen Person. Janice wird nämlich am Wochenende mit ihrer Oma Renate für drei Wochen in den Urlaub fahren und Chris wollte sie gern vorher noch einmal sehen/ bei sich haben. Nun jongliert er aber gerade mit zwei Aufträge und versucht, allen gerecht zu werden. So hatte ich ihm angeboten, mich tagsüber um Janice zu kümmern. Nach verschiedenen Absprachen ergab sich für den Donnerstag, dass ich die Kleine am Morgen erst einmal in den Kindergarten brachte, wo sie noch eine "Urlaubsrunde" geben wollte. Eis für ihre Kindergartenfreunde. Danach musste ich erst noch einmal nach Hause, um mit Chris verschiedenes zu regeln und dann stand wieder der Garten auf dem Programm, wo ich mich wieder mit Katl zum Brunch traf. Aus dem Supermarkt hatte ich ihr noch Sprotten mitgebracht, weil sie die in Urlauben am Meer immer so gern isst und ich damit unsere Ostsee-Illusion aufrecht erhalten wollte.
Am Nachmittag holte ich dann Janice wieder ab und nahm sie mit in den Garten, wo wir bereits kleines Becken mit Wasser in die Sonne gestellt hatten.

Sunset

So sieht das aus, wenn man Janice sagt, sie soll sich ausziehen, weil sie ins Wasser darf. Da lässt sie alles fallen und liegen.
Wenn sie dann allerdings einen leeren Karton entdeckt, kommt sie auf allerlei Ideen.

Kind in Kiste
Kind in Kiste
Kind in Kiste
Kind in Kiste
Kind in Kiste

Am Abend kam dann Chris und heizte den neuen Grill an, den Katl beschafft hat. Dann wurde nach Herzenslust geschlemmt, und Janice, die sonst eher wie ein Mäuschen oder ein Spatz isst, verputzte drei Würstchen.

Freitag, 25. Juni 2010 | 02:33 Uhr | Tags: , ,

Am Mittwoch mussten wollten wir zeitig aufstehen, um den ersten Zug nach Rewal zu erwischen. So hatten wir diesmal den Frühstücksraum für uns allein und liefen nicht Gefahr, uns zu verplaudern.
Auf ging es in den Ort und zum Bahnhof, wo wir in dieses hübsche Bimmelbähnchen stiegen.

Bahn
 

Bahn

Im Sonnenlicht empfing uns der Bahnhof von Rewal.
Bahnhof

Kirche von Rewal
Vorbei an der eigenwilligen modernen Kirche schlenderten wir zur Promenade und ließen uns dort in einem der zahlreichen Cafés nieder, mit Blick auf die Fischerboote am Strand.

Fischerboote am Strand von Rewal

Fischerboote am Strand von Rewal

Bis zur Rückfahrt des Bimmelbähnchens bummelten wir durch den Ort und am Strand entlang.
Den Abend verbrachten wir bei seeehr gut gemixtem Camparisoda in der Strandbar, die wir für diesen Urlaub zu unserer Lieblingsbar erkoren hatten.

Strandbar am Strand von Pogorzelica

Den Mittwoch in Gardenia verbrachten wir überhaupt nicht im Garten. Nicht eine Minute waren wir dort, denn am Morgen kam Katl zu mir nach Hause, wo wir gemeinsam frühstückten, bevor wir nach Halle aufbrachen zum Strickstammtisch.
Ich habe mich so gefreut, die "Mädels" alle wiederzusehen, Katl war neugierig auf alle, die sie bisher nur aus Blogs oder von meinen Berichten kannte. Diesmal wurde es eine besonders große Runde, weil wir gleich drei "Neueinsteiger" hatten. Außer Katl kam nämlich noch Jana [aus Halle] hinzu und als nachträgliche Geburtstagsüberraschung für Uta auch noch Eva [aus Leipzig].
Es wurde geschwatzt, gescherzt, gestrickt, gehäkelt, geribbelt… oder doch nicht? Mein neues Oberteil, das ich von Sabinci bekommen habe, wurde gebührend bewundert. Allerdings habe ich vergessen, Uta um ein Foto zu bitten mit mir im Oberteil. Das müssen wir mal nachholen.
Wie immer verging die Zeit viel zu schnell.
Auf dem Heimweg machten Katl und ich noch am Supermarkt Halt und kauften für das Abendessen ein.
Was mag es wohl gegeben haben? Richtig: Fisch!
Den Abend verbrachten wir in sehr lustiger Runde im café esprit beim Fußball-Krimi Deutschland : Ghana.
Fotos habe ich von dem realen Urlaubstag nicht, obwohl ich die Kamera überall hin mitgeschleppt hatte.

[*Der guten Ordnung wegen: Das Bimmelbähnchen fährt nur von Pogorzelica nach Rewal, wo wir 2007 einen sehr schönen Tag verbrachten.
Das Strandcafé fanden wir natürlich am Strand von Pogorzelica, und es war damals wirklich unser Lieblingscafé.*]

Donnerstag, 24. Juni 2010 | 09:41 Uhr | Tags: , ,


Der Dienstag begann mit Sonne, aber wieder kalt. Wir trödelten ein wenig unentschlossen vor uns hin, was durchaus in Ordnung war, schließlich haben wir Urlaub. Katl kramte ihr Strickzeug hervor und setzte sich damit auf die Terrasse vor dem Frühstücksraum. Ich machte mir Notizen zu meinem Entwurf. Das Ideenbuch hat sich nämlich wieder angefunden.
- Aber den ganzen Tag will ich nicht im Quartier bleiben.
- Ich auch nicht.
- Außerdem müssen wir Gemüse kaufen.
- Wir haben doch noch Salat.
- Und was kochen wir am Abend?
- Wir könnten heute auch mal essen gehen.
- Auch wieder wahr.
Nach einer Weile, während der Katl emsig genadelt hatte und ich mit geschlossenen Augen vor mich hin träumte…
- Ich mach jetzt Kaffee, möchtest du auch?
- Oh ja, gern. Und danach gehe ich los.
- Wohin denn?
- In den Ort. Hier muss es doch auch Läden geben. Die können doch nicht für jede Prise Salz nach Kolberg fahren.
Die Sonne hatte inzwischen an Kraft gewonnen, doch sobald sich Wolken davor schoben wurde es wieder frisch.
Natürlich kam Katl mit in den Ort. Wir fanden einen kleinen Supermarkt und kauften ein paar Kleinigkeiten.
Nachdem wir diese abgeladen hatten, zog es mich unwiderstehlich ans Wasser.

Brandung

Brandung

Brandung

Unser Abendessen fanden wir dann in einem kleinen Fischrestaurant.
Brandung
Katl, vom Wind zerzaust. Wir ließen uns nicht davon abhalten, auf der "Sonnen"terrasse zu essen.
Heute Abend passiert nicht mehr viel. Für morgen haben wir einen Ausflug nach Rewal geplant.

Der Dienstag war ein etwas seltsamer Urlaubstag in Gardenia. Nachdem ich erst halb eins von dort nach Hause gekommen war, beschäftigte ich mich noch bis 2:45 Uhr damit, die fast 1000 Fotos aus unserem 2007-er Urlaub auf den PC zu packen, um meine geträumten Reiseberichte entsprechend bebildern zu können, inclusive Licht- und Witterungsverhältnisse. Hilfreich dabei ist zweifellos, dass das aktuelle Wetter von Kolberg sich nur unwesentlich von dem damals in Pogorzelica unterscheidet.
Nicht im Garten zu übernachten, bietet entscheidende Vorteile, wie den Luxus einer Waschmaschine uuuuund einer Badewanne. Beides nutzte ich ausgiebig, nachdem ich gegen 7:15 Uhr schon wieder aus dem Bett gepurzelt war. Zwei Trommeln Wäsche und danach ein ausgedehntes Bad.
Danach schlenderte ich in den Garten, wo Katl gerade den Frühstücks-[Brunch-]Tisch deckte. Der Minigrill, in dem wir Semmeln aufbacken wollten, versagte den Dienst, was uns nicht weiter störte, denn Not macht bekanntlich erfinderisch, so dass wir nach etwas Improvisation doch noch zu knusprigen Brötchen kamen.
Die Sonne hatte inzwischen so viel Kraft entwickelt, dass wir nach dem Essen doch wieder unter den Apfelbaum umzogen. Katl schwang die Stricknadeln. Ich wollte eigentlich spinnen, nickte aber erst einmal ein. Kein Wunder, denn nach meiner Fotoaktion in der Nacht war ich so durchgefroren, dass ich noch fast 2 Stunden brauchte, um wieder warm zu werden und endlich einschlafen zu können. Das machte sich nun bemerkbar.
Am Nachmittag wollte ich ursprünglich ins esprit zum Fußballgucken. Schließlich halte ich, wenn sie nicht gerade gegen Deutschland antreten, auf die Mexikaner [erwähnte ich wohl schon]. Dann aber hielt mich eine unbekannte Macht am Spinnrad fest.

Bluefaced Leicester

Gern wäre ich bis zum Dunkelwerden im Garten geblieben, hätte die zweiten 50 Gramm Bluefaced Leicester versponnen und vielleicht sogar gezwirnt. Dann aber fiel mir ein, dass ich, weil es ja so nicht geplant war, gar keine dicken Kleidungsstücke, keine Kuscheldecken, ja nicht einmal Socken dabei hatte.
Entenküken
So beschloss ich, ebenfalls zusammen zu packen, als Katl gehen musste, um an einer Vereinsversammlung teilzunehmen. Das ist das Problem an Urlauben daheim. Bist du verreist, dann ist das eben so. Bleibst du aber am Ort, erwartet jeder, dass du alle Verpflichtungen wahrnimmst, schließlich bist du ja da. Kein Mensch akzeptiert, dass du eigentlich Urlaub hast.
Auf dem Heimweg schaute ich noch beim Supermarkt vorbei. All die Gedanken ans Meer hatten mir riesigen Appetit auf Fisch gemacht. Daheim angekommen, schnippelte ich aus Apfel, Zwiebel, Gewürzgurken und Matjes einen leckeren Salat zusammen, den ich inzwischen verputzt habe.
Ein drittes Mal an diesem Tag wurde die Waschmaschine gefüttert.
Heute gehe ich mal früh [vor Mitternacht] ins Bett.
Für morgen haben wir einen Ausflug nach Halle geplant.

[*Übrigens: Die im letzten Beitrag genannten Hausmittel gegen äußere Verletzungen helfen beide.
Meerwasser ist selbst bei tiefen und/oder eitrigen Wunden zur regelmäßigen Anwendung zu empfehlen. Meine Mutter, Chris und ich selbst haben dies im Eigenversuch bereits mehrfach erprobt. Es bewirkt eine saubere Wunde und langsame Heilung ohne Narbenbildung. Der Nachteil: "Salz in Wunde" brennt höllisch, zumindest am Anfang. Ich habe jedoch noch nie ausprobiert, ob eine Kochsalzlösung die gleiche Wirkung hat wie Meerwasser.
Zwiebelsaft als natürliches Antibiotikum wirkt gegen alles Mögliche. Beispielsweise Halsentzündungen, Ohrenschmerzen und und und. Ich hatte auch da erwartet, dass er in einer Schnittwunde böse brennt, zumal Schnittwunden ja sowieso immer brennen. Wider erwarten stillte der Saft aber den Schmerz. Ich kann diese Anwendung also bedenkenlos empfehlen.
Ähnlich gute Erfahungen haben wir auch schon mit Honig gemacht, den man auf Schürfwunden, Kratzer oder Schnitte auftragen kann, um Entzündungen zu verhindern und die Heilung zu beschleunigen. Allerdings ist das im Sommer etwas heikel, besonders im Freien, weil man damit gefräßige Insekten anzieht.*]

Wie ich gerade sehe, wird es nun doch nichts mit früh zu Bett gehen.

Mittwoch, 23. Juni 2010 | 01:21 Uhr | Tags: , ,


Der frühe Montag Morgen fand uns beide froh und munter. Nur das Wetter war grau, kühl und wie es sich für sie Ostsee gehört – windig.
- Was machen wir denn heute?
- Hm, weiß nicht. Strandspaziergang?
- Bei dem Wetter?
- Also ich brauche jetzt erst mal nen Milchkaffee.
- Das dachte ich auch gerade. Lass uns frühstücken, dann sehen wir weiter.
Im Frühstücksraum trafen wir auf ein Pärchen aus Thüringen, das gestern spät abends noch angekommen war. Man stellte sich gegenseitig vor, schwatzte über die Anreise, die Route. Ab Berlin gab es zwei Möglichkeiten, die Thüringer waren gerade weiter nach Norden in Richtung Rostock gefahren, während wir unterhalb Berlins schon nach Osten auf Frankfurt und erst dann weiter nördlich gefahren waren. Laut Routenplaner differieren beide Strecken um ganze drei Kilometer.
Wir halfen den Neuankömmlingen mit Pulverkaffee aus und gaben als "erfahrene" Polen-/Ostsee-Urlauber Tipps zu Ausflugszielen um und Einkaufsmöglichkeiten in Kolberg. Die Zeit verging wie im Flug, und ehe wir es uns versahen, war es elf Uhr. Höchste Zeit, noch etwas mit diesem Tag anzufangen. So machten wir uns wieder einmal auf den Weg, den Strand entlang, diesmal in entgegengesetzter Richtung zu gestern. Unser Ziel sollte ein Leuchtturm sein, den wir in der Ferne im Dunst ausmachen konnten.
Doch zunächst einmal schoss ich unzählige Fotos "Möwen an grauem Meer".
Möwen an grauem Meer
Möwen an grauem Meer
Als wir den Leuchtturm endlich erreichten, hatte der Wind die Wolken vertrieben und der Sonne Platz geschaffen.

Leuchtturm von Niechorze

Ich wollte unbedingt dort hinauf und kam dabei mächtig außer Puste. Die Aussicht jedoch belohnte diese Anstrengung. Nur Fotos lohnten sich nicht, da es immer noch recht diesig war.
Auf dem Rückweg entlang der leicht verwilderten Uferpromenande fanden wir noch diesen lustigen Gesellen.

Leuchtturm von Niechorze

Bei der Suche nach der günstigsten Kameraposition verhedderte ich mich im Gestrüpp und riss mir an einem stacheligen Ast die rechte Wade auf. Das Blut lief gleich in mehreren Bächen mein Bein hinunter. Da half nur eins: Kälte hin, Kälte her, ich musste ins Meer, denn Salzwasser reinigt Wunden und hilft bei der Heilung. Mit hoch gerafftem Rock, die Schuhe in der Hand, stieg ich in die Fluten. Nach dem ersten Schock war es gar nicht mehr sooo kalt. Den Rest des Weges legten wir dann barfuß im knöcheltiefen Wasser zurück.
Zum Abendessen gab es die Reste der Suppe von gestern, die wir mit ein paar Würfeln angebratener Salami aufgepeppt hatten. Dann schnappten wir uns eine Flasche Rotwein, die Katl von zu Hause mitgeschleppt hatte, hockten uns in die Dünen, gut eingehüllt in dicke Socken, Leggins unterm Rock und dicke Pullover und schauten dem Meer beim Schlafengehen zu.
Den Rotwein tranken wir abwechselnd aus der Flasche.

Und nun wieder der echte Urlaub in Gardenia.
Der frühe Montag Morgen zeigte sich grau, kühl und windig. Ich packte wieder einmal Taschen, diesmal mit mehr Sorgfalt, als an den vergangenen Tagen, denn ich wollte den Garten zu Fuß erreichen. Wenn man alles schleppen muss, überlegt man sich dann doch gründlicher, was man wirklich braucht. Dicke Kleidung und zwei kuschelige Decken gehörten unbedingt dazu. Außerdem Salat, Gemüse und diverse würzende Zutaten für Salat und Suppe.
Dann gönnte ich mir den virtuellen Ausflug ans Meer, den ihr gestern lesen konntet, sowie den Rückblick auf den Tag.
Und danach war es an der Zeit, endlich in die Gänge zu kommen, immerhin waren wir zum Frühstück im Garten verabredet. Die Sonne hatte inzwischen auch ausgeschlafen und kämpfte mit wärmenden Strahlen gegen die Kühle des Windes an.
Als ich mit Sack und Pack im Treppenhaus stand, kam meine Nachbarin aus ihrer Wohnung, angeblich, um zu schauen, ob sie ihren Fußabstreicher staubsaugen müsse. Tatsächlich ist sie eine sehr nette ältere Dame, die wohl ein wenig einsam ist und [zumindest mit mir] gern mal ein Schwätzchen unter Nachbarn im Treppenhaus hält. Das muss ja auch mal sein und kommt wegen meines unsteten Lebenswandels eher selten vor. Wir kamen vom Hundersten ins Tausendste, und es dauerte noch eine lange Weile, bis ich mich loseisen konnte.
So wurde das Frühstück im Garten eher ein Brunch, bei dem wir uns tüchtig die Bäuche voll schlugen [Katl hatte unterwegs leckere Käsebrötchen eingekauft] und über allen möglichen Unsinn so herzhaft lachten, dass Nachbar Ingo uns "Knallerbsen" nannte, wobei er jedoch Kichererbsen meinte. ;-)
Nach der Völlerei war Bewegung angesagt. Während Katl das Schaf über die Wiese schob… ähhhhm den Rasenmäher natürlich, bekämpfte ich die Verwüstungen auf dem Kräuterbeet, ihres Zeichens wildernde Brombeeren und überzählige Topinambur. Und dann, kurz bevor ich wegen der hoch stehenden Mittagssonne die Arbeiten einstellen wollte, verhedderte ich mich in den bereits abgeschnittenden Brombeerzweigen und riss mir die rechte Wade auf.
Ruckedikuh, ruckedikuh, Blut ist im Schuh…
Blut ist im Schuh...
Katl kam geflitzt, ordnete an, dass ich sofort das Bein hoch lege und gefälligst nicht mehr arbeite. Da wir gerade kein Meer zur Hand hatten, um die Wunde zu spülen, brachte Katl mir eine Zwiebel, deren Saft ein natürliches Antibiotikum enthält und somit zur Wundreinigung bestens geeignet ist.
Danach saßen wir in der Mittagssonne, die den Kampf gegen den Wind längst gewonnen hatte, schwatzten und strickten, Katl an ihrem Never-ending-Rock und ich an meinem Entwurf.
Nach dem Kaffee setzte ich mich mit 50g Bluefaced-Leicester-Fasern ans Spinnrad und zauberte ein hauchdünnes und dennoch weiches Fädchen.
Zum Abendessen peppte ich die Suppe von gestern mit angebratenen Salamiwürfeln und zwei Geflügelwienern auf, schnippelte eine Riesenschüssel Salat und Katl zauberte eine Flasche Bardolino aus den Tiefen ihres Rucksackes hervor.
Mit Sonnenuntergang wurde es kühl und wegen der Nähe zum Fluss auch feucht. Außer in sehr heißen, sehr trockenen Sommern sind die Nächte in Gardenia immer feucht. Doch mit all unseren Kuschelsachen und -decken waren wir dagegen bestens gewappnet, und so wurde es Mitternacht, bis wir uns zwischen Wiesen, am Fluss entlang auf den Heimweg machten.
Den Rotwein hatten wir übrigens aus hübschen alten Gläsern getrunken.
Abendrot über Gardenia
[*Der guten Ordnung wegen: Der Leuchtturm ist natürlich der von Niechorze, auf halbem Wege zwischen Pogorzelica und Rewal gelegen und von Kolberg aus unmöglich zu Fuß zu erreichen, zumindest nicht an einem Tag.*]

Dienstag, 22. Juni 2010 | 09:09 Uhr | Tags: , ,

Dieser Tag begann mitten in der Nacht damit, dass es Katl nicht so gut ging. Bauchgrimmen "vom Feinsten". Da wir beide nahezu das Gleiche gegessen hatten und ich mich wohl fühlte, vermuteten wir, dass Katl vielleicht die Umstellung des Wassers nicht vertragen hat. Oder war es die Tütensuppe? Immerhin isst Katl sonst überwiegend Biokost und ist diesen Chemiekrams nicht gewöhnt. [Im Gegensatz zu mir *hüstel*]
Nachdem es ihr am Morgen wieder besser ging, fiel Katl in tiefen Schlaf, während ich putzmunter war. Also ließ ich sie schlafen, schlich mich hinaus und zog nach einer Tasse Milchkaffee, die ich mir unten in der kleinen Küche schnell aufgebrüht hatte, an den Strand. In einer windgeschützten Kuhle ließ ich mich nieder und schaute dem endlosen Spiel der Wellen zu, die unermüdlich an den Strand rollten. Ich träumte von der Hütte im Wald [ein Projekt, von dem ich später noch berichten werde, nach dem Urlaub] und dachte mir Strickanleitungen aus. Wo hab ich denn eigentlich mein Ideenbuch hin gepackt?
Als ich gegen Mittag ins Quartier zurück kam, schlief Katl immer noch, wachte aber wegen meiner Polterei auf. Ich hatte ihre Tasche von der Kommode gestoßen, als ich in meiner nach dem Ideenbuch kramte, ohne es jedoch zu finden. Es tat mir so Leid, dass ich sie geweckt hatte, aber sie meinte, das sei in Ordnung und sie fühle sich wieder fit.
Nach einem kurzen Imbiss [Katl kann ohne Frühstück das Haus nicht verlassen, wagte sich aber nur an trockens Knäckebrot] machten wir uns auf den Weg nach Kolberg, wo das große Einkaufszentrum auch sonntags geöffnet hat. Unsere Pension befindet sich nicht direkt in der Stadt, sondern in dem malerischen Dörfchen Grzybowo, 6 km östlich von Kolberg.
Wir liefen am Strand entlang und kehrten auf gleichem Weg später auch zurück. Nach dem Abendessen, es gab wieder Suppe, die ich diesmal aber aus jeder Menge Gemüse selbst gemacht habe, zog es uns noch einmal an den Strand, wo wir dick eingemummelt dem Wind trotzten und einen zauberhaften Sonnenuntergang beobachten konnten.
Sonnenuntergang am Meer

Wer gestern schon hier gelesen hat, weiß, dass er so nicht gewesen sein kann, unser 2. Urlaubstag. Auch mein Traum vom Urlaub in Gardenia schien sich zunächst nicht zu erfüllen.
Ich war sehr früh auf. Allen Wettervorhersagen zum Trotz strahlte die Sonne, aber es war sehr windig und kalt. Ich schrieb zuerst den langen Eintrag über unseren ersten Urlaubstag, kramte dann in der Küche herum und fütterte die Waschmaschine.
Später tüftelte ich an einer Strickanleitung für ein "Drüberziehchen" und suchte in meinen vielen Stricktaschen nach meinem Ideenbuch, ohne es jedoch zu finden. Also skizzerte ich den Entwurf auf ein Schmierpapier, das ich in die grüne Schaftasche vom Strickstammtisch stopfte.
Die ganze Zeit über war ich missmutig, weil Katl sich nicht meldete. Schließlich wollten wir zusammen Urlaub machen, was sie auch mehrfach betont hatte. Ich konnte nicht verstehen, wieso sie, wenn wir schon mal telefonierten, immer nur erzählte, was sie vor hat [Einladung bei Schwägerin zum Beispiel], aber nie fragte, ob wir etwas gemeinsam unternehmen wollen. Immer dann, wenn das Gespräch hätte darauf kommen können, etwas zu verabreden, meinte sie: "Na gut, dann haben wir ja jetzt alles besprochen. Dann wünsche ich dir noch einen schönen Tag." Und jedes Mal fragte ich mich dann: Was ist los? Will sie mich nicht sehen?
Nun wartete ich darauf, dass sie sich meldet, was jedoch nicht geschah. Gegen Mittag hielt ich es nicht mehr aus und rief bei ihr an. Und dann erfuhr ich, dass sie sich vorher gar nicht melden konnte, weil sie noch geschlafen hatte.
Nicht dass jetzt jemand denkt, Katl sei eine Schlafmütze. Sie hatte allen Grund dazu, so lange im Bett zu liegen, denn in der Nacht war es ihr nicht gut gegangen. Sie hatte Bauchgrimmen "vom Feinsten" und war erst am Morgen, als sie eigentlich aufstehen wollte, überhaupt zur Ruhe gekommen.
Es tat mir so Leid, dass ich sie geweckt hatte. Dennoch verlief unser Telefonat wieder seltsam. Sie erzählte, dass sie sich jetzt wieder fit fühlte, nur schnell eine Kleinigkeit essen und dann in den Garten gehen wollte. Dort wollte sie ganz fleißig sein. Schreddern und Rasenmähen ist ja sonntags nicht erlaubt, aber auf dem Grabeland wollte sie alles Unkraut beseitigen. Die Arbeiten, die sie mir aufzählte, reichten wohl für mindestens eine Woche. Und dann nahm das Gespräch die gewohnte Wendung: "Naja, dann gibt es ja jetzt nichts mehr zu bereden. Ich wünsche dir einen schönen Sonntag. Erhol dich gut."
Hm. Und nun?
In mir regte sich der Trotz. Ich hab auch Urlaub. Ich will auch nach Gardenia. Und sie hat nicht gesagt, ich soll nicht kommen.
Also packte ich alle möglichen Taschen. Eine mit Spulen und Spinnfutter. Eine mit dem Strickzeug, mit dem ich den neuen Entwurf ausprobieren wollte. Eine mit all dem Gemüse, das noch im Kühlschrank lag und aus dem ich eine Gemüsesuppe zaubern wollte. Dazu noch Gewürze, außerdem Kaffee und Milch und eine angebrochene Flasche Mineralwasser [die letzte, die ich noch da hatte].
Als ich halb drei in Gardenia eintraf, war Katl noch immer nicht da. Na gut.
Ich räumte Tisch und Stühle unter den Apfelbaum, zog mich um und wollte gerade anfangen, Unkraut zu jäten, als Katl kam. Während sie sich umzog, quatschten wir und räumten die Missverständnisse aus dem Weg. Dann machten wir uns gemeinsam über den Acker her.
Später baute ich mir eine Küche im Grünen, putzte und schnippelte einen ganzen großen Topf voll Gemüse und zauberte eine meiner "berühmten" Suppen.
Meine Campingküche
Wir speisten, bis wir uns satt und kugelrund fühlten, wobei wir gerade mal die Hälfte der Suppe schafften.
Danach saßen wir in der Abendsonne, bis Katl so sehr fror, dass sie sich unbedingt bewegen musste. Inzwischen begann ich mit dem Stricken meines Entwurfs.
Einen so malerischen Sonnenuntergang wie am Meer konnten wir nicht beobachten, weil bei uns die Sonne lange vor Untergang hinter dem Bahndamm verschwindet, aber Gardenia im Neonengellicht [Blaue Stunde, zur Zeit ca. 21.30 Uhr] sieht auch bezaubernd aus.
Abend in Gardenia

[*Das Ostseefoto stammt wie alle weiteren in dieser Urlaubsreihe wieder von unserem Urlaub in Pogorzelica im September 2007*]

Montag, 21. Juni 2010 | 09:32 Uhr | Tags: , , ,

Am Freitag Abend habe ich noch schnell meinen Koffer gepackt. Das war keine große Sache, schließlich braucht man nicht viel für eine Woche am Meer.
Am Samstag Morgen fuhr ich vor Tag und Tau mit den letzten Tropfen Sprit zu Katl, die mich schon an der Haustür erwartete. Naja, das mit dem "Tag und Tau" ist nicht ganz wörtlich zu nehmen, denn die Tankstelle, die wir ansteuern wollten, weil es dort immer günstiger ist als anderswo, öffnet erst 5:30 Uhr. Wir waren die ersten, die an diesem Morgen zum Tanken kamen.
Und dann ging es endlich auf die Autobahn. Bei Berlin machten wir die erste Rast. Ich hatte wieder einen meiner Salate gezaubert, Katl steuerte ihr leckeres selbsgebackenes Brot bei.
Bevor wir die polnische Grenze erreichten, gab es noch zwei kleinere Pausen, die letzte ganz kurz vor der Grenze. Im Land wollte ich dann ohne Unterbrechung durchfahren. Nicht, dass uns schon bei der Anreise die neuen Sommerreifen abhanden kämen oder etwas ähnlich Schräges passiert. Ich selbst wäre ja voller Vertrauen an diese Reise gegangen, aber als ich erzählte, dass wir mit meinem Auto fahren wollen, bekam ich aus dem engeren Freundes- und Verwandtenkreis so viel zu hören, über Diebstähle in Polen und im grenznahen Gebiet, dass ich ganz unsicher geworden bin. Zur Ehrenrettung der Polen möchte ich hier sagen, wir kamen ohne jeden Zwischenfall nach Kolberg und wurden herzlich empfangen. Allerdings hatte ich die Strecke etwas unterschätzt, wir brauchten noch einmal fast drei Stunden, bis wir endlich ankamen. Nach einer minikurzen Inspektion des Zimmers schnappten wir uns Wasserkocher, Teebeutel und Tütensuppen und stürmten den Frühstücksraum mit angrenzender Miniküche. Während ich mich um die "heißen Sachen" kümmerte, tafelte Katl ihr Brot, geräucherten Mozarella und ein paar weitere Leckereien aus Michas Bioladen auf.
Nach dem Essen ging es dann endlich an den Strand.
Ostsee, wir sind angekommen.

So oder ähnlich hätte unser erster Urlaubstag ausgesehen, wenn alles so gelaufen wäre, wie wir uns das im März diesen Jahres ausgemalt und geplant hatten. Dann aber hüllte sich der Lieblingsauftraggeber in Schweigen, reagierte weder auf Anrufe, noch auf schriftliche Anfragen, so dass die Zeichnungen noch immer unvollendet auf meinem Mac schlummern und nicht abgerechnet werden können. Meine Krankheit zog sich in die Länge, so dass ich mich lange Zeit nicht um neue Aufträge bemühen konnte. Und ein weiterer Auftraggeber zahlt erst rund zweieinhalb Monate nach erbrachter Leistung, so dass diese Einkünfte erst Anfang Juli zu erwarten sind. Das alles wäre noch zu verkraften gewesen, aber dann kam der überfällige TüV für Jolanda und die dafür notwendigen vier neuen Reifen, Bremsen, Zahnriemen… Innerhalb einer Woche waren sämtliche mühevoll zusammengekratzten Rücklagen aufgebraucht und der Urlaub damit hinfällig.
Nun wäre die Mira nicht DIE Mira, wenn sie nicht umgehend einen Plan B auf die Beine stellen würde. Mein Gedanke: Wir machen Camping in Gardenia. So richtig mit allem Drum und Dran und ohne zwischendurch heim zu fahren. Urlaub eben. Fern ab des Alltags.
Katl war nicht nur einverstanden, ich hatte den Eindruck, sie konnte sich für diese Idee echt begeistern. "Dann muss aber die Wolle aus der Laube verschwinden." Ja, muss sie. Muss sie sowieso.

Getrennt voneinander packten wir am Freitag Abend unsere Taschen. Da musste einiges bedacht werden. Schlafsäcke und dicke Klamotten waren für den Campingaufenthalt nötiger, als Badeanzug und Trägershirt. Kaffee und Milch mussten mit. Außerdem eine Flasche Balsamico-Essig und alles Gemüse, das noch im Kühlschrank schlummerte. Es mag albern sein, Gemüse mit nach Gardenia zu schleppen, aber warum sollte es im Kühlschrank vor sich hin welken, wenn ich nicht da bin?
Außerdem sollte das Spinnrad mit und das Strickzeug, die Handkarden und und und…
Geschlafen wurde in dieser Nacht noch mal daheim. Dafür war ich am Samstag Morgen schon vor 6 Uhr auf, lud das bereit gestellte Gepäck in Jolandas riesigen Kofferraum und tuckerte mit den letzten Tropfen Sprit nach Gardenia.
Ich lud das Gepäck aus, stellte Tisch und Stühle in der Morgensonne auf und sortierte die Wolle, die noch immer in der Laube lag. Diese verstaute ich im Kofferraum. Jolanda würde ich vor Mittwoch nicht brauchen, also konnte die Wolle dort lagern, bis ich sie verspinnen würde. Später kochte ich mir einen Milchkaffee und setzte mich mit dem Spinnrad unter den Apfelbaum.
Katl kam gegen zehn und brachte selbstgebackenes Brot mit und allerlei Leckereien aus Michas Bioladen.
So wurde erst einmal ausgiebig gefrühstückt. Danach ließ es sich Katl nicht nehmen, bis zur in der Gartenanlage zum Gesetz erhobenen Mittagruhe den Reisigberg abzutragen und damit den Schrädder zu füttern. Gegen Mittag zogen dunkle Wolken auf und der ständige Wind wehte Apfelblätter in die von mir gezauberte Gemüsesuppe. So wickelten wir uns für die Mittagsruhe jede in eine kuschelige Decke und packten uns in die Liegestühle. Mit geschlossenen Augen dem Wind zu lauschen, ließ die Illusion aufkommen, wir lägen in bequemen Deckchairs auf einem Kreuzfahrtschiff.
Am Nachmittag hatte der Wind die Wolken weiter getrieben und die Sonne ließ sich wieder blicken.
- Eis essen?
- Hast du welches?
- Nö, aber im Urlaub geht man doch auch mal Eis essen, oder?
- Ich denke, du willst vor Mittwoch nicht Auto fahren?
- Wir laufen!
- Bis zur Puschkinstraße??? [Anm. d. Red.: Das wären ca. 15 km.]
- Wer will denn schon zur Puschkinstraße? Das esprit hat seit Dienstag eine neue Eiskarte. Ich hab sie neulich schon gesehen. Tolle neue Sorten und super günstig.
- Na dann, ich lade dich ein.
Also machten wir uns "ausgehfein", räumten die Stühle und das Spinnrad in die Laube [falls es doch regnet] und machten uns auf den Weg.
Im esprit erwischten wir noch die zweite Halbzeit des Spiels Ghana : Australien und hofften wider besseres Wissen natürlich auf einen Sieg der Australier, damit es die deutsche Mannschaft nächste Woche etwas leichter hätte.
Für den Abend hatte Katl noch eine Überraschung. Tofuwürstchen. So weihten wir ihren neuen Grill ein.
Später saßen wir dick eingemummelt in Kuschelsocken und Fliesshirts unter dem Apfelbaum und strickten, weil man dafür nicht hinschauen muss und das schwindende Abendlicht dafür ausreicht.
Ein schöner erster Urlaubstag.

Doch auch so verlief er nicht.
Aus irgend einem Grund war Mitte der Woche die Kommunikation zwischen Katl und mir abgerissen, so dass wir nichts verabreden konnten. Als wir dann gestern Mittag telefonierten, stellte sich zudem heraus, dass sie meine Bemerkungen im letzten Freitagsfüller als unumstößlich angenommen hatte und demzufolge nur an einen Sonntag im Garten dachte. Das muss ich ihr mal noch erklären, dass man bei so einem Stöckchen nicht alles schreiben kann, was man sich so vorstellt und dass man im Blog ohnehin nicht jede Überlegung bis ins Detail ausbreitet. Auch muss ich die Gute irgendwie dazu bewegen, nicht immer zu warten, bis ich mit Vorschlägen komme. [Wink zu Katl: Du weißt, was ich meine, stimmts? *zwinker*]
Hinzu kam eine außerordentliche Versammlung im Gartenverein. Eine Pflichtveranstaltung, die ich als unangenehm empfinde. Außerdem fiel dadurch mein als Alternative angedachtes Spinntreffen in Lütschena ins Wasser.
Glücklicherweise war ich dadurch aber um die Mittagszeit zu Hause und konnte die Warensendung entgegen nehmen, die die Postfrau nicht in den Briefkasten quetschen wollte. Sabinci hat mir ein super schönes Oberteil geschickt, von dem sie meinte, ich fülle es wohl besser aus, als sie selbst. *g* Es ist wirklich ein ganz wundervolles Teil und ich hab mich riesig gefreut. Ganz großes Dankeschön noch mal an dieser Stelle. Fotos gibt es dann am Mittwoch. Da werde ich es nämlich tragen und hoffe, dass Uta trotz meinereine, die darin steckt, ein schönes Foto davon hinbekommt.
Am Nachmittag, nach einem Mini-Einkauf [der Kaffee war alle, und das darf nicht sein] und einem Spaziergang am Fluss…


…gönnte ich mir dann das Fußballspiel Ghana : Australien im café esprit in voller Länge und probierte das super leckere neue Eis. Sobald ich im Juli mein Honorar habe und es entsprechend mittelfristiger Wetterprognose wieder Sommer geworden ist, futtere ich mich dort durch die gesamte Eiskarte. Das habe ich gestern schon angekündigt.
Am Abend schmerzte mein rechtes Auge, so dass ich früh zu Bett ging.
Das war nun wirklich mein erster Urlaubstag.
[*Das Ostseefoto stammt übrigens von unserem Urlaub in Pogorzelica im September 2007*]

Sonntag, 20. Juni 2010 | 09:17 Uhr | Tags: , , ,