
Was für ein Gelb. Leuchtend wie die Sonne, die mir an diesen seltsamen Tagen so sehr fehlt. Morgend ist sie da und triebt mich vor der Zeit aus dem Bett, aber dann werden die Tage grau und windig und… ach.
Irgendwann an diesem Sonntag kam Chris auf ein Tässchen Kaffee. Und dann gab es noch Wurst aus dem Hofladen und Eier von glücklichen Hühnern. Solange er da war, war alles fein. Danach tat sich das schwarze Loch wieder auf, um mich zu verschlingen oder weshalb auch immer.
…ich hab mir irgend etwas eingefangen, wahrscheinlich verkühlt. Bei diesen Temperaturen ist das ja kein Wunder. Man weiß nicht, was man noch ausziehen soll, weil die Luft so drückend ist. Und dann dieser Wind, da ist es schnell passiert.
Nun niese ich hier herum, die Blase drückt und sämtliche Glieder schmerzen. Dabei wollte ich doch an diesem Wochenende so viel schaffen.
Ja, ja, ich weiß, ich wollte nicht mehr so viel arbeiten. Aber da gibt es so Leute, die sagen, sie wollen mir helfen. Nein, so darf ich das gar nicht ausdrücken. Sie wollen mir wirklich helfen. Und dann tun sie Dinge, aber sie tun sie nicht zu Ende, sondern stellen halb Getanes einfach irgendwo ab. Und wenn ich dann komme, meine Pläne im Kopf, was alles wie am besten und schnellsten getan werden könnte, dann kann ich nicht, weil die halb getane Hilfe noch in der Gegend herum steht und mich behindert.
Da nutzt es mir herzlich wenig, wenn ich dann zu hören bekomme: "Ich habs doch gut gemeint." Leuten, die mir diesen Spruch bringen, möchte ich stundenlang Kettcar – Im Taxi weinen vorspielen, bis sie gefressen haben, was die Jungs da singen: Das Gegenteil von Gut ist gut gemeint.
…mich nicht so freuen sollen.
…heute Nacht:
Dan Kelly tauchte im esprit auf. Das heißt, er saß da an dem Tisch auf der Bühne, als ich herein kam, um Kees Schipper zu treffen. Dieser war aber nicht da, weil ich mich im Termin geirrt hatte und eine Woche zu spät kam. Stattdessen traf ich nun auf den alten Vater Kelly, der von mir wissen wollte, wo sein Sohn Mario steckt, weil er ihn heim in die Band holen wollte. Dieser wiederum hatte sich in der Laube im Suse-Garten verkrochen, weil er nicht darüber hinweg kam, dass seine Freundin ihn verlassen hat, weil er angeblich ein Zigeunerleben führt, und ich war fest entschlossen, dies niemandem zu verraten.
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Auf der Festwiese gastierte ein riesiger Zirkus. Ich ging dort hin und verlangte, den Direktor zu sprechen. Dieser war wiederum kein anderer als Dan Kelly. Man wollte mich nicht zu im lassen, aber ich ließ ihm mitteilen, dass Maite meine Standnachbarin auf dem Mittelaltermarkt war und schon kam er höchstselbst vor das Zirkuszelt, um mit mir zu sprechen.
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Die alten Häuser auf der Leipziger Straße zwischen Post- und Südstraße waren saniert worden. Ich stieg in einem sonnengelben Treppenhaus in den obersten Stock hinauf, um mir die Zimmer anzusehen, die als Seniorenresidenz gedacht waren. Freilich brauchte ich noch jede Menge Geld, um die alten Leutchen wirklich dort unterbringen zu können. Um dieses zu beschaffen, musste ich nach Holland fahren und fand mich unversehens in einem Zug wieder, der endlos durch eine karge Landschaft rollte, die so platt war, dass man morgens schon sehen konnte, wo der Zug abends ankommen würde. Er kam aber nicht an. Er fuhr und fuhr und fuhr… bis ich aufwachte.
Wundert es da noch jemanden, dass ich morgens zwar aufwache und auch aufstehe, mich aber wie zerschlagen fühle? Ich bin doch die ganze Nacht unterwegs. ![]()
Und das war nur die letzte Runde zwischen 5.45 und 7.00 Uhr. Vorher war ich etwa im Stundentakt wach, und jede dieser Stunden war angefüllt mit ähnlichem Chaos.
Die Tage sind nicht besser. Nur mit dem Unterschied, dass da dieses Chaos tatsächlich stattfindet. Und dass es teilweise hausgemacht ist, weil es in meiner engsten Umgebung ein paar Leute gibt, die … wie soll ich das sagen? … auf mir rumtrampeln. Ja, freilich, ich bin auch selbst schuld, weil ich nicht nein sagen kann und immer hier rufe, wenn Arbeit zu verteilen ist und ich für andere was tun kann. Nur dass für mich dann immer nur das Tun bleibt und die kleinen Freuden meist hinten herunter fallen.
Zum Beispiel gestern: Uta hätte eine Karte zum Konzert von KEIMZEIT für mich gehabt. Ich hätte dafür nur nach Halle zu fahren brauchen. Doch ich hatte trotz Brückentags den Laden offen und hätte es danach mit dem Zug nicht mehr geschafft, mal ganz abgesehen davon, dass sich die Rückfahrt recht umständlich gestaltet hätte. Mit meinem Auto kann ich noch immer nicht fahren. Aber es hätte vielleicht eine Möglichkeit gegeben, Chris’ Auto zu nehmen, da dieses ohnehin noch in Taucha herum stand und wohl immer noch steht. Als ich tags zuvor die Minihexe bei mir hatte und sie am Abend nach N. bringen musste, weil das verabredete Ich-hol-sie-am-Nachmittag-ab einer Männertagsradtour zum Opfer fiel, konnte ich das Auto ja auch nehmen. Warum also nicht gestern? Freilich hätte man das absprechen müssen. Nur war der Besitzer des Fahrzeugs erst ewig nicht zu erreichen und als ich ihn dann endlich doch ans Telefon bekam und mit ihm besprechen wollte, legte er mit einem unwilligen Knurren einfach auf und ging danach einfach nicht mehr ran.
Ich war total traurig, aber es hätte noch eine andere Option für den Abend gegeben. Das Konzert von Kees Schipper im esprit. Da konnte ich zu Fuß hingehen. Nur musste/wollte ich vorher noch ein paar Dinge klären, beispielsweise, wie das Auto nach N. und das Kind wieder nach T. kommt und ob ich eine Chance habe, die für Donnerstag Nachmittag, spätestens aber für Freitag zugesicherte Hilfe nun vielleicht am Samstag doch noch erhalte. Gesagt hat er das. Aber ich darf nicht fragen, wann. Ich darf überhaupt nichts fragen und auch sonst nichts. Dabei ging es mir doch nur darum, ein wenig zu planen. Ist doch nun nicht so, dass ich nichts anderes zu tun hätte, als auf ihn zu warten. Und bei alledem, was ich zu tun habe, wäre ein wenig Planung ganz nett, damit nicht am Ende die Zeit ungenutzt verstrichen ist und ich mit der ungetanen Arbeit doch allein dastehe. Ich bitte schon kaum um Hilfe. Aber wenn, warum werde ich dann immer noch so verarscht?
Und da verlangt meine heutige Tageskarte …nehmen Sie Anteil an den Empfindungen der Menschen, die Sie lieben. Nehmen Sie sich Zeit, um zu verstehen… und verspricht dann …der Lohn wird tausendfach vergolten werden…
Fragt sich nur womit.
Also, dieses Kolumbus-Lied, das ich oben verlinkt habe, ist aber schön. Einfach nur schön.
Zum Glück ist es immer noch so, dass Wasser mir hilft, mein Gleichgewicht wiederzuerlangen oder zumindest aus der tiefsten Verzweiflung ein Stück heraus zu finden. Wasser in jeder Form. Am besten wäre es natürlich, am Meer zu sein. Aber es hilft auch, ausgiebig zu duschen oder eine Stunde in der Wanne zu liegen. Genau das habe ich mir eben gegönnt. Und es möge mir jetzt bitte niemand sagen: Du hast doch so viel zu tun. Wieso vertrödelst du Zeit in der Badewanne?
Ich kann euch sagen: In der Verfassung, in der ich vorhin war, hätte ich nichts, aber auch gar nichts fertig bekommen, weil mir alles einfach nur noch sinnlos erschien und ich mir selbst nur noch kraft- und antriebslos und heillos überfordert vorkam. Überfordert bin ich immer noch. Aber wenigstens bin ich jetzt wieder in der Lage, nach Lösungen zu suchen. Ob ich sie finde, ist eine andere Frage.
Ich bin schon über diesen kleinen Schritt froh, auch wenn am Ende des Tunnels noch lange kein Licht zu sehen ist.
Das ist wie damals, als ich jede Woche nach Suhl fahren musste. Der Rennsteigtunnel ist knapp 8 km lang, und ich fühlte mich darin immer unbehaglich. Bei dieser Länge könnt ihr euch gut vorstellen, dass man die meiste Zeit im Tunnel fährt, ohne das Ende sehen zu können. Da hab ich dann die halben Kilometer gezählt, die auf Autobahnen ja immer angezeigt werden, so auch im Tunnel. Mit jedem halben Kilometer fühlte ich mich ein wenig besser, weil ich dem Licht näher kam, auch wenn ich es nicht sehen konnte. So in etwa fühlt sich das jetzt auch an. Nur, dass es in diesem Fall mit halben Kilometern eben nicht getan ist. Tja.
…bei Frau Wo aus Po schon wieder von einer weiteren Schickane gelesen, die mein Leben schwerer macht. Es ist einfach nicht mehr zu schaffen. Die europäische Gesetzgebung will vereinheitlichen, angeblich, um den Verbrauchern Erleichterungen zu verschaffen. Tatsächlich aber wird damit jede Individualität platt gemacht. Ist ja auch gar nicht gewollt. Eine vereinheitlichte Masse ist viel leichter zu unterdrücken, als lauter Individualisten. Und außerdem möchten Industrie und große Handelsketten, dass so kleine Leute wie wir Kunsthandwerker und Direktvermarkter am besten ganz verschwinden. Also macht man denen das Leben schwer mit jeder Menge Verordnungen. Halten sie sich dran, geht viel Zeit drauf, in der sie nichts herstellen können. Und halten sie sich nicht dran, macht man sie mit Abmahnungen und den damit verbundenen finanziellen Forderungen kaputt.
Es ist wirklich nicht mehr zu ertragen.
…einmal auszuschlafen. Wenigstens ein ganz kleines Bissel. Da sind die Sorgen, die mich nicht mehr schlafen lassen. Habe ich nicht genug zu tun, all meine Jobs unter einen Hut zu bekommen? Renne ich mir nicht die Hacken ab, um alle Verpflichtungen zu erfüllen, sei es nun in Form übernommener Aufträge oder finanzieller Natur? Warum übernehme ich denn so viele Aufträge? Doch nur, um monatlich neu aufreißende Finanzlöcher zu stopfen. Und als würde das alles immer noch nicht reichen, kommen dann noch all die kleinen Schickanen, die sich insgesamt zu seiner unüberwindlichen Mauer aufbauen. Inzwischen vergeht kein Tag mehr, an dem ich mir nicht mindestens einmal wünsche, einfach nicht mehr am Leben zu sein. Wozu auch? Nur um mich quälen zu lassen? Das Leben kann nichts anderes, als täglich neue Forderungen an mich zu stellen. Forderungen, Forderungen, Forderungen. Tu dies, tu das, tu jenes. Ach, und das hast du auch noch zu tun. Was? Du schaffst das nicht? Dann bezahl dafür! Wie, du hast kein Geld übrig? Dann arbeite doch einfach mehr. Was? Du schaffst das nicht? Dann… Meine Kraft ist erschöpft. Ich kann nicht mehr. Und ich will nicht mehr. Ich will mich nicht mehr schinden lassen. Ich bin nur ein einziger Mensch. Ich kann nicht mehr all die Forderungen erfüllen…
Wenn mir nachher ein Dachziegel auf den Kopf fiele, wäre es wenigstens vorbei.
…für heute, Montag, ein Tagesbild geben wird, kann ich noch nicht sagen. Der Tag sollte wichtigen Arbeiten im Lädchen vorbehalten sein. Da wäre zu spinnen, zu zwirnen, etwas auszuprobieren, von dem ich keine Ahnung habe, ob es funktioniert und am Ende so wird, wie die Kundin es sich vorstellt. Außerdem steht noch ein Paket in der Ecke, das ich bisher nicht auspacken konnte. Es enthält eine Schaufensterpuppe. Da sie nackt ist, kann ich sie nicht in den Verkaufsraum stellen. Wie sieht das denn aus? Ins Hinterzimmer kann sie aber auch nicht, da wir nicht sicher sein können, ob der Kobold sie am Leben lässt. dEiDre meinte dann am Donnerstag Abend: Aber am Wochenende musst du sie mal auspacken. Du musst ja Maß nehmen, damit du ihr was zum Anziehen machen kannst.
Die Frau kommt auf Ideen. ![]()
Ich hab nicht mal Zeit, mir selbst was zu schneidern. Da nähe ich doch nicht für die Puppe. *lach*
Tja, und dann ist gestern Abend irgendwie ein Knoten geplatzt und mit der Programmierung kam ich plötzlich gut voran. Was ich mir ausdachte, funktionierte, und wenn ich nicht so schrecklich müde gewesen wäre, hätte ich die ganzen Nacht durch wuseln können. Das hab ich vernünftigerweise nicht getan, aber heute Morgen musste ich mich einfach wieder dran setzen.
Inzwischen ist es aber so, dass sich schon wieder Faselfehler einschleichen, weil ich in Gedanken schon wieder bei all den anderen Dingen bin, die ich noch nicht geschafft habe und doch aber schaffen müsste. Und weil ich mich dringend auf den Weg in den Laden machen muss und weil… und weil… und weil…
Und deshalb fahre ich jetzt den Rechner runter und gehe los. Dabei würde ich jetzt nichts lieber tun, als mal eine Woche am Stück (und wirklich am Stück, nicht nur spät Abends nach dem Tagwerk mal ne Stunde oder zwei) über der Programierung bleiben. Dann würde das auch fertig. Ich komme ja nur deshalb nicht voran, weil ich dauernd so viel anderes im Kopf habe. Im Kopf haben muss. Das wird so erwartet.
Ach ja, wisst ihr, ich wäre gern nur Programmierer. Oder nur Spinnerin. Oder nur Dozentin. Leider kann man von der Spinnerei nicht leben, das war schon immer so. Für die Programmierung gibt es vielleicht irgendwann einmal Geld, später, wenn überhaupt. Als Dozent könnte man es aushalten. Leider kommen da die Aufträge zu unregelmäßig, mal monatelang gar nichts und dann alles auf einmal. Wie soll man denn da sein Leben in geregelte Bahnen bekommen? Hm?
…gibt es nicht. Was hätte ich an diesem verkorksten Wochenende auch fotografieren sollen?
Dabei fing es so schön an. Am Freitag spielte wieder einmal Eisenheinrich im esprit. Es wurde spät, das heißt, es wurde dann doch schon wieder früh.
Ich tapte nach dem Konzert noch mal in den Laden, um den Laptop zu holen. Da war es noch angenehm draußen, ein dicker Mond leuchtete mir und die Nachtigallen sangen pure Lebensfreude hinaus in die Nacht.
Am Morgen hielt sich das angenehme Wetter noch, und ich wanderte zu Mutti und Heiner zum Frühstück. Das war schön.
Als ich danach wieder daheim ankam, zogen bereits düstere Wolken über den Himmel und es wurde so kalt, dass ich die Fenster schloss. Dann kam der Regen.
Kann es einen besseren Tag geben, um sich mit ungeliebter Programmierung zu beschäftigen? Nur setzte ich mich selbst mal wieder unter Druck, so dass ich letzen Endes wieder nicht so voran kam, wie ich das gern gewollt hätte und wie es, aller übrigen, viel zu kanpp gesteckten Termine wegen, notwendig gewesen wäre. So habe ich mir auch den Sonntag, der ebenso trüb und kalt war, damit vermasselt.
Und all die anderen Wichtigkeiten kamen ebenfalls nicht voran.
Ach menno.
Nachtrag
Es gibt doch Fotos. Nur war ich am Wochenende so frustig, dass ich gar nicht daran dachte. Das Konzert im esprit begann zwar am Freitag Abend, aber als ich das Foto "Nach dem Konzert" aufnahm, war Mitternacht längst vorüber, so dass es sehr wohl Bild 126/366 ist.

Weil der Sonntag so grau und regnerisch war, konnte ich den Koi nicht richtig abbilden und hielt mich stattdessen an das Wasserspiel. Nur hatte ich dieses Foto völlig vergessen, bis es mir fast eine Woche später wieder unter die Augen kam. 127/366

WARUM?????? Warum bin ich auf diese verflixte Idee nicht schon heute Morgen um zehn gekommen?
Ich hatte so tolle Ideen, ich hab dieses Projekt so interessant geplant. Ich weiß, dass die Leute morgen total begeistert wären… wenn ich ihnen all die kleinen Schmeckerchen vorführen könnte. Kann ich aber nicht, weil ich den ganzen Tag, wertvolle 14 Stunden lang, diesen einen vermaledeiten Fehler gesucht habe.
So ein Mist.
